M45 – Plejaden (Siebengestirn)

 

NGC: - - -


Sternbild: Taurus (Stier)

Beste Sichtbarkeit: Oktober - Februar

Position (Epoche 2000.0): RA: 03h 47m


  DE: +24°07´

Helligkeit: 1m,6


Ausdehnung: 110´'

Entfernung: 444 Lj.

Konzentrationsklasse:
II,3,r (nach Trümpler)










Suche und visuelles Erscheinungsbild:

Die Plejaden sind sehr einfach als diffuse Anhäufung von Sternen etwa 10° nordwestlich des Hauptsterns des Stiers, Aldebaran, zu finden. Mir ist es unter mittelmäßigem Landhimmel regelmäßig gelungen, acht Sterne sicher mit bloßem Auge zu identifizieren. Unter besserem Himmel (Alpen) waren neun Exemplare erkennbar. Mit Hilfe eines kleinen 10x25 Fernglases steigt die Anzahl der Sonnen auf über 20 an. Der Haufencharakter ist deutlich wahrnehmbar. Mit einem 110mm Großfeldrefraktor und 25-facher Vergrößerung konnte ich 2° Feld abdecken, sodass die Plejaden komplett sichtbar waren. Mehr als 50 Sterne waren leicht sichtbar. Ein solches Teleskop ist auch für die erfolgreiche Sichtung des Merope-Nebels interessant. Mir gelang die Beobachtung in einer sehr transparenten Nacht am 30.09.2011 mit eben jenem Teleskop:

„Der Nebel ist deutlich sichtbar. Ein hell leuchtender, ovaler Streifen im Zentrum, ist umgeben von einem lichtschwächeren Halo. Der Reflexionsnebel, der erst durch den Stern Merope zum Leuchten angeregt wird, ähnelt einem diffusen, lichtschwachen Kometen.“


Einzelheiten zum Objekt:


Bei den Plejaden handelt es sich um einen sehr jungen Sternhaufen von rund 100Mio. Jahren. Es gibt auch Berechnungen die „nur“ 78Mio. Jahre angeben. Die Lebenszeit des Sternhaufens als Ganzes wird auf etwa 250Mio. Jahre geschätzt, ehe die gravitative Bindung der Sterne nachlässt und sich die Mitglieder nach und nach im Raum verteilen. Aktuelle Beobachtungen haben eine Gesamtzahl von mindestens 500 Sternen ergeben bei einer geschätzten Masse von 800 Sonnen. Die mittlere Entfernung des Sternhaufens wurde zu 444 +/-6 Lichtjahren bestimmt. Wobei zu bemerken ist, dass die Entfernungen zu den einzelnen Sternen unterschiedlich ist. Bei einigen der Plejaden Sterne wurde eine sehr schnelle Eigendrehung von 150-300km/sek an der Oberfläche anhand der spektralen Absorptionslinien entdeckt. Diese schnellen Rotationen sind bei Sternen des Typ A oder B zu erkennen und führen zu einer Verformung des Sternkörpers. Bei Pleione konnte zwischen 1938 und 1952 ein Gasschalenauswurf aufgrund der hohen Rotation spektroskopisch nachgewiesen werden! Bei neuerlichen Helligkeitsanstiegen 1972 und 1987 konnte ein Gasauswurf nicht bestätigt werden. Sowie bei etwa 70% der Plejaden Sterne nimmt man auch bei Pleione ein Doppelgestirn an.

Alkyone, ein blauer Riesenstern vom Typ B7 ist der hellste Stern des Haufens mit der 1400 fachen Sonnenleuchtkraft! Er besitzt die siebenfache Masse und den achtfachen Durchmesser unserer Sonne!
Der Reflexionsnebel um die Plejaden Sterne ist kein Überrest aus ihrer Entstehungszeit! Vielmehr kreuzen die Sterne eine molekulare Staubwolke, den Taurus-Auriga-Dunkelnebelomplex. Der Beweis dafür sind die unterschiedlichen Radialgeschwindigkeiten der Objekte. Der Unterschied beträgt 11km/sek.
Innerhalb des Siebengestirns sind einige Weiße Zwerge bekannt. Diese Entdeckung sorgte zunächst für Verwirrung, weil in einem so jungen Sternhaufen dieses Entwicklungsstadium eines Sterns eigentlich nicht vorkommen dürfte. Eine Erklärung könnte laut der Wissenschaftler die Nähe zu anderen Sternen des Haufens (Doppelsternsystem), die extrem schnelle Rotation oder Sternwinde sein, die zum Verlust des Großteils der Masse einiger Sterne geführt hat.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Gesamtmasse der einzelnen Weißen Zwerge unterhalb der Chandrasekhar-Grenze liegt (max. 1,4 Sonnenmassen). Diese ist Voraussetzung für den stabilen Zustand dieses Sternstadiums und deren Beobachtbarkeit. Dazu kommen seit 1995 Beobachtungen von Brauen Zwergen. Braune Zwerge besitzen zu wenig Masse und Temperatur um in ihrem Zentrum die Kernfusion zu zünden und echte Sterne zu werden. Einzig die durch ihre Masse produzierte Eigenwärme regt die sie umgebenen Gase zum Leuchten an. Wissenschaftler schätzen die Masse solch eines Objekts innerhalb des Sternhaufens auf 60-100 Jupitermassen.


Frühere Beobachtungen:

Das Siebengestirn gehört zu den Himmelsobjekten, die schon seit Menschengedenken bekannt sind. Eine der wohl bekanntesten Darstellungen des Siebengestirns ist in den Applikationen der Himmelsscheibe von Nebra zu finden. Das Alter der Himmelsscheibe wird in die Bronzezeit Mitteleuropas vor etwa 3700 – 4100 Jahren datiert. Sie wäre damit eine der ältesten Aufzeichnungen der Plejaden überhaupt! Sehr häufig wurde die Sterngruppe in der Antike in Bilddarstellungen aufgeführt.

Belegte Darstellungen gehen zurück bis zu den Assyrern ins 14.-15.Jhr.v.Chr. Die Griechen gaben den Einzelsternen Namen, die bis heute überliefert sind. Zu bemerken ist, dass bereits neun Einzelsterne bekannt waren. Der griechischen Mythologie nach wurden der Titan Atlas und seine Gemahlin Pleione sowie deren sieben Töchter Asterope, Alkyone, Celaeno, Elektra, Maia, Merope und Taygete am Himmel verewigt. In der Neuzeit vermerkte der Astronom Mästlin 11 Einzelsterne, während Kepler gar 14 Sterne gesehen haben soll. Aufgrund der Tatsache das Kepler eine schlechte Sehkraft besaß, ist diese Zahl als unsicher einzustufen. Mithilfe des dann erfundenen Teleskops stieg die Zahl der sichtbaren Sterne stark an. Die Entdeckung der ersten Nebelstrukturen geht auf den Astronomen Wilhelm Tempel zurück. Den Merope-Nebel fand er am 19.10.1859 in Venedig mit einem 4“ Großfeldrefraktor von Steinheil und 24-facher Vergrößerung bei ca. 2° Gesichtsfeld. Er entdeckte den Nebel bei der Erstellung einer Karte der Plejaden Sterne. Erst beim Vergleich der Karte mit dem Himmel, fiel ihm der Nebel in einer äußerst klaren Nacht deutlich auf. Er hatte ihn zuvor schon mehrere Male übersehen. Zunächst hielt er ihn für einen Kometen. Eine Folgebeobachtung am nächsten Abend zeigte den Nebel aber wieder an derselben Stelle. Der große Refraktor on Arcetri (Amici 1: 283/5370mm in Mahagonirohr) zeigte den Nebel noch deutlicher. Das Erfolgsrezept für die Entdeckung des Merope-Nabels war niedrige Vergrößerung in Verbindung mit großem Gesichtsfeld. Die Astronomen des 19.Jhr. verwendeten meist die Kombination hohe Vergrößerung mit kleinen Gesichtsfeldern. Selbst D’Arrest, ein hervorragender visueller Astronom, konnte den Merope-Nebel mit dem großen Refraktor der Kopenhagener Sternwarte nicht sehen. Er warf Tempel eine „übertriebene“ Angabe vor, als dieser den Nebel mit einem hellen Kometen verglich. In der Folge wurden in den späten 1880er Jahren durch erste tiefe Fotografien weitere Nebel um die „Schwestersterne“ entdeckt und katalogisiert.


Quellen:
-      Über Nebelflecken-nach Beobachtungen
          Angestellt in den Jahren 1876-1879 mit dem Refraktor vom Amici
          Wilhelm Tempel, Prag 1885
-      https://jumk.de/astronomie/sterne-2/alkyone.shtml
-      http://messier.seds.org/m/m045.html
-      Atlas der Messierobjekte, Oculum-Verlag GmbH, Erlangen 2006



Autor: Stefan Westphal