NGC 7023 (Irisnebel) – Reflexionsnebel und Sternhaufen

 

NGC: NGC 7023

Sternkarte NGC7023 Irisnebel
Sternbild: Cepheus (Kepheus)


Beste Sichtbarkeit: August - Februar


Position (Epoche 2000.0): RA: 21h 00m 05s


  DE: +68° 10'

Helligkeit NGC 6823: 7m,1


Ausdehnung: 18x18'

Entfernung: 1300 Lichtjahre


Spektraltyp:
B5 (Zentralstern)


Weitere Bezeichnungen:
Cr 429, VDB 139 (LBN 487), C4






Suche und visuelles Erscheinungsbild:

NGC 7023 befindet sich an der westlichen Grenze des Sternbildes Kepheus. Der Nebel bildet mit den beiden Hauptsternen aCep und ßCep ein stumpfwinkliges Dreieck. Leider ist das Objekt nicht ganz so leicht zu finden, denn die hellen Kastensterne des Kepheus befinden sich in ungünstigen RA und DEC-Positionen, um das Starhopping einfach anwenden zu können. Weiterhin fehlen markante Sterne in direkter Nähe. Vielmehr muss der Beobachter etwas in dem möglichen Zielgebiet "herumrühren" um den nebligen Stern zu finden. Außerdem ist absolut dunkler Himmel unabdingbar für eine erfolgreiche Beobachtung. Bei der Wahrnehmung des schwachen Reflexionsnebels kommt es in diesem Fall gar nicht so sehr auf große Öffnung an. Bereits ab 4" sollte der 7m Stern etwas verwaschen im Okular erscheinen,  ähnlich eines zugetauten Okulars. Der schwache Sternhaufen ist keine sehr eindrucksvolle Erscheinung.


Einzelheiten zum Objekt:

NGC7023 IrisnebelUnter der Bezeichnung NGC 7023 verstehen wir heute einen sehr losen, offenen Sternhaufen, der in eine Staub- und Gaswolke eingebettet ist. Der helle, blaue Nebel, der auf Fotografien zu sehen ist, wird von dem heißen Stern HD200775 (SAO 19158) zum Leuchten angeregt. Dieser Reflexionsnebel ist ebenfalls Teil des gesamten Objekts und wird auch Irisnebel genannt, da tiefe Aufnahmen des Nebels den Eindruck einer Blume erwecken. Allerdings haben die verschiedenen Einzelobjekte eigene Katalogbezeichnungen ihrer Beobachter erhalten, weshalb zeitweilig ein ziemliches Durcheinander der Nomenklaturen herrschte. Doch dazu später im Abschnitt "Frühere Beobachtungen" mehr. Für den blauen Nebel werden etwa 6 Lichtjahre Durchmesser angegeben, wobei möglicherweise aufgrund der vielen schwachen Staub und Nebelfilamente die wahren Ausmaße nur schwer abgeschätzt werden können. Die Entfernung für die "kosmische Blume" mitsamt dem Sternhaufen beträgt rund 1300 Lichtjahre. Dennoch erscheint uns der helle Reflexionsnebel als verhältnismäßig hell. Der Grund dafür ist in dem hellen Zentralstern SAO19158 mit der 10-fachen Masse unserer Sonne zu finden. Der Stern wird der Spektralgruppe B5 zugeordnet. Gehört also zu den leuchtkräftigsten Sternen überhaupt. Des Weiteren sind in den Nebelstrukturen noch kleinere Partien von rötlichen Nebeln zu finden, die in unseren Fotos auch zu erkennen sind.

NGC 7023 - IrisnebelEigentlich stehen rote Nebel bekanntlich für Emissionen, doch im Irisnebel haben sie einen eigenen Ursprung. Es wird vermutet, dass es sich um Kohlenwasserstoffmoleküle handelt, die durch die starke Strahlung des eingebetteten Sterns angeregt werden. Die fluoreszierenden Moleküle erzeugen eine starke ultraviolette Strahlung, die wiederum von den vorhandenen Staubkörnchen reflektiert und in für uns sichtbares Licht, nämlich rotem Licht umgewandelt wird. Somit wird aus dem Zusammenwirken von reflektierter Energie und der Reaktion bestimmter Staub und Gasmoleküle eine eigene Emission. Diese Kohlenstoffmoleküle, die für diese Umwandlung verantwortlich sind, werden auch als PAHs (Polycyclic Aromatic Hydrocarbons) zu Deutsch "polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe" bezeichnet. Zu verdanken haben wir diese Erkenntnisse vor allem dem Spitzer-Weltraumteleskop, welches speziell für die Suche nach organischen Substanzen, die die Bausteine für Leben bilden, konzipiert ist.


Frühere Beobachtungen:

Zum ersten Mal wurde dieses Objekt von Wilhelm Herschel am 18. Oktober 1794 dokumentiert. Ihm fiel die neblige Escheinung auf, in den der zentrale Stern eingebettet ist. Außerdem wies er auf die schwachen Einzelsterne des Sternhaufens hin. Er sortierte daraufhin die neue Entdeckung in seinen Katalog als Sternhaufen ein. Die Bezeichnung NGC 7023 nach Emil Dreyer war bis ins 20. Jahrhundert hinein unangefochten, obwohl sie in Bezug auf den eigentlichen Irisnebel, nicht ganz richtig ist. Doch dann beschäftigten sich Astronomen wieder genauer mit dem Objekt und begannen die verschiedenen Objekte neu zu katalogisieren. Sie stellten fest, dass mit NGC 7023 korrekterweise der verhältnismäßig unbekannte Sternhaufen gemeint ist. Es war das Jahr 1931 und der Astronom Per Collinder, der den Sternhaufen in seinem eigenen Katalog unter der Nummer Cr 429 neu anlegte.

Ein weiterer Astronom namens Sidney van den Berg katalogisierte den Irisnebel wiederum neu und gab ihm die Nummer VDB 139. Diese Umbenennungen sorgten für reichliche Verwirrungen, haben jedoch auch heute noch Gültigkeit, obwohl sie genau wie NGC 7023 nicht ganz korrekt sind. Danach wurde das Objekt wieder neu einsortiert und in den Caldwell-Katalog unter der Nr. 4 aufgenommen. Die Caldwell-Liste, die 1995 veröffentlicht wurde, ist eine von Amateurastronomen erstellte Liste von verschiedenen Deep-Sky-Objekten. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt einzig der Caldwell-Katalog die Bezeichnung des Objekts korrekt wieder. Somit trägt der Irisnebel mindestens vier verschiedene Katalognummern, welche allesamt gültig sind. Allerdings ist die erste Bezeichnung nach wie vor die populärste.



Autor: Stefan Westphal