NGC 6210 - Planetarischer Nebel

 

NGC 6210

Sternbild Hercules (Herkules)

Beste Sichtbarkeit Mai - September


Position (Epoche 2000.0) RA: 16h 45m 02s   

  DE: +23° 46´ 38´´


Helligkeit: 9m,7

Ausdehnung: 20´´x13´´

Entfernung 6.500 Lj.

Zentralstern HD 151121 (Weißer Zwerg)

Spektraltyp (Zentralstern)
O6





Einzelheiten zum Objekt:

NGC 6210 beschreibt einen planetarischen Nebel im Sternbild Herkules und wird, aufgrund seiner markanten Gestalt auf Hubble-Aufnahmen, auch als Schildkrötennebel bezeichnet. Der Nebel zählt mit einer Helligkeit von 9m,7 zu den hellsten Vertretern seiner Klasse. Bei einer scheinbaren Ausdehnung von 20'' x 13'' beträgt der wahre Durchmesser etwa 0,5 Lichtjahre bei einer Entfernung von 6500-6600 Lichtjahren. Unter Berücksichtigung der äußersten Gashüllen erreicht der Schildkrötennebel sogar eine Raumausdehnung von 1,6 Lichtjahren. Die Sternleiche im Zentrum vereint etwas weniger Masse als unsere Sonne in sich. Durch intensive Abstrahlung heißen Gases, vor allem ionisiertem Sauerstoff, werden die äußeren, kühleren Gasschichten zum  blauen bis türkisen Leuchten angeregt. Wie tiefe Hubble-Aufnahmen zeigen, hat der Zentralstern seine Materie in mehreren Hüllen abgestoßen. Der helle Sternüberrest erreicht immer noch eine Helligkeit von 12m,9 und wird dem Spektraltyp O6 zugeordnet. Das Überbleibsel, ein weißer Zwerg, ist noch immer extrem heiß. Seine Oberflächentemperatur wird auf 70000 bis 90000 Kelvin geschätzt. Der weiße Zwerg stößt noch immer Gas in Form von Jets aus, die Löcher in die älteren Gashüllen schlagen und somit für die "Füße" der Schildkröte sorgen.


Suche und visuelles Erscheinungsbild:

NGC 6210 oder auch Schildkrötennebel (Turtle Nebula) genannt besitzt eine Ausdehnung von nur etwa 0,5 Lichtjahren und ist aus diesem Grund nicht einfach zu finden. Er befindet sich im südlichen Teil des Sternbildes Herkules. Als Hilfe kann der helle Stern Kornephoros dienen. Mit einer guten Sternenkarte kann NGC6210 über Starhopping in Richtung HIP82504 gefunden werden (ca. 4° von Kornephoros in Richtung Nordost).  Im Okular werden dann 3 helle Sterne sichtbar. 


250/1200 Newton:  Mit einem 10 Zoll Dobson und 1200mm Brennweite erscheint mit einem 25mm Okular bei 50x Vergrößerung der planetarische Nebel zunächst nur als Stern. Erst mit höherer Vergrößerung von 85x kann man das Objekt als Nebel gut erkennen. Bereits hier sind erste Farben mit 10“ Öffnung zu sehen. Leicht grünlich, türkis, etwas pastellartig schimmert der Nebel im Okular. Mit einem guten 9mm Okular und 133x Vergrößerung war das maximale Seeing erreicht. Der Nebel zeigt nun seine volle Pracht. NGC6210 zeigt bei dieser Vergrößerung eine erste wesenhafte, leicht strukturierte Form. Die Farben sind nun noch deutlicher wahrnehmbar. Auch sein Zentralstern, HD 151121, ein weißer Zwerg mit einer Helligkeit von ca. 12-13mag ist gut erkennbar.



300/1500 Newton:  Das Aufsuchen des Zielgebiets im Sucher fällt durch einige markante dreieckige Sternformationen relativ einfach. Im Übersichtsokular bei 48x ist der PN zwar stellar, aber weist im Gegensatz zu den umliegenden Sternen einen auffälligen bläulichen Farbschimmer auf. Bei ca. 150x ist er als sehr kleiner und auch sehr heller nebeliger Fleck deutlich vom Hintergrund zu trennen. Bei einer Vergrößerung von 300x zeigt er sich zu Beginn relativ unspektakulär. Ein heller gleichmäßig runder Nebel mit diffus auslaufendem Rand ist zu sehen. Erst nach einiger Zeit löst sich die gleichmäßige äußere Form in schwer zu deutende Unregelmäßigkeiten auf. Die runde Form wird immer mehr zum Oval mit kurzzeitig aufblitzenden „Fingern“, welche aus dem Flanken ragten. Eine Schildkröte war aber nicht zu erkennen. Hier fehlt es vermutlich noch an Vergrößerung bzw. Öffnung. Im Allgemeinen ein doch recht interessantes Objekt, welches allerdings erst nach intensiver Beobachtungszeit seine wahre Gestalt preisgibt.



Frühere Beobachtungen:

Im Jahre 1825 entdeckte der deutsche Astronom Friedrich Georg Wilhelm Struve erstmalig NGC 6210. In seinem 1827 erschienenen Werk „Catalogus novus stellarum duplicium et multiplicium“ berichtete er von diesem Nebel. Fünf Jahre nach Struve beobachtete auch John Herschel den planetarischen Nebel. Die intensive Färbung blieb jedoch auch ihm verborgen. Auf diese Eigenschaft machte vermutlich erst Lord Rosse im Jahr 1850 aufmerksam, nach Beobachtungen mit seinen großen Teleskopen.



Autor: Claus Müller und Stefan Westphal