NGC 1333 - (Reflexionsnebel)

 

NGC: 1333


Sternbild: Perseus

Beste Sichtbarkeit: Oktober - März

Position (Epoche 2000.0): RA: 3h 29m 9s


  DE: +31°22'

Helligkeit: 5m,6

Ausdehnung: 6'x3'

Entfernung: 1000 Lichtjahre













Suche und visuelles Erscheinungsbild:

Die hochinteressante Region um den eigentlichen Reflexionsnebel
NGC 1333 ist Teil des Sternbildes Perseus. Als einfache Orientierungshilfe zur Aufsuche des Objekts, erweisen sich die Plejaden als sehr hilfreich. Von diesen ausgehend ca. 5° nördlich in Richtung des griechischen Helden Perseus, trifft man auf das junge Sternentstehungsgebiet rund um NGC 1333. Für den visuellen Beobachter ist eine Öffnung von mindestens 8“ empfehlenswert, um dem Nebel erste Details zu entlocken. Der Einsatz von Filtern erweist sich bei dieser Objektklasse als wenig sinnvoll, da der Nebel das Licht nicht selbst emittiert, sondern nur das Sternenlicht der umgebenden Sonnen reflektiert bzw. streut (ähnlich M45).

Visuell wird der Nebel in zwei Regionen um einen 11mag hellen Stern geteilt. Der Hintergrund wirkt dabei auffallend hell, was auf weitere großflächige Nebelstrukturen schließen lässt. Mit größerer Öffnung ab 12“ können Beobachter auf die Suche nach einigen Herbig-Haro Objekten gehen, welche sich als extrem schwache, kleine runde Aufhellungen zeigen.

Hier die Beobachtungsberichte von Thomas Will:
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Ort:  Spechtelplatz Defersdorf
Zeit:  22. Februar 2012, 19:40-22:20 
Bedingungen:  wolkenlos, Temperatur 0°C
Geräte:  Galaxy D8 200/1200
Mitbeobachter:  Alexander L., Stefan W.

Den kleinen, aber interessanten Reflektionsnnebel NGC 1333 gesucht [“NGC 1333 is catalogued as a reflection nebula but is actually a diverse region and part of the Per OB2 molecular cloud complex. It is one of the nearest star forming regions and particularly rich in young stellar objects (YSOs). Also 36 Herbig-Haro objects have been identified in NGC 1333 confirming its status as a young active region of star formation.”]

Ist er das (s. das angedeutete Nebelfeld in der linken oberen Ecke der Zeichnung)? Undeutlicher kleiner nebliger Fleck, unsicher. [Nachbetrachtung: Ja, siehe u.a. das AstroPicOfTheDay 18-Apr-09].

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Ort:  Spechtelplatz Defersdorf
Zeit:  20. März 2012, 20:40-22:10 
Bedingungen:  perfekte Bedingungen, Temperatur +3°C
Geräte:  Galaxy D8 200/1200
Mitbeobachter:  Stefan W.

Starte im PERSEUS, „nachspechteln“ von einigen Objekten von vor ein paar Wochen:  [ M 76, NGC 1245 ]. NGC 1333 nur unsicher gefunden, keine Lust auf Nebel heute...


Einzelheiten zum Objekt:


Der Reflexionsnebel NGC 1333 ist eigentlich nur ein kleiner Teil des großen Perseus Molekularwolken Komplexes in der Assoziation OB2. Die gesamte Ausdehnung erstreckt sich über ein Gebiet von 1,5°x4,2° und befindet sich westlich von ζ Persei. Die vollständige Molekülwolke befindet sich in einer mittleren Entfernung von 900-1100 Lichtjahren und zählt somit zu den am dichtest gelegenen aktiven Sternentstehungsgebieten unserer Galaxie. Unterschiedlichste Arten von Objektklassen finden sich in diesem Komplex, wobei der blau leuchtende Reflexionsnebel, der dominanteste Teil für uns im visuellen Spektralbereich ist. Ein uns von der Erde (meist) täglich bekannter Effekt steht dahinter. Blaues Licht wird im Gegensatz zum Roten stärker gestreut, wodurch uns sowohl der Reflexionsnebel in den Weiten des Alls, als auch unser Erdhimmel blau erscheinen.


Der interessante Teil liegt allerdings hinter dicken Staubschichten verborgen – junge Sternenstehungsgebiete:

Unzählige junge Sternhaufen im Alter von gerade mal 1 mio. Jahren sind Bestandteil vieler wissenschaftlicher Studien. Sichtbar werden diese u.a. durch Beobachtung des Weltraumteleskops Spitzer im infraroten Licht. Allerdings bieten diese neu entstehenden Sterne auch für den Amateur bei genauerer Betrachtung einige Auffälligkeiten. Kleine, rot leuchtende Gebiete welche als Herbig-Haro-Objekt klassifiziert werden. Im gesamten Perseus-Komplex sind bislang ca. 150 HH-Objekte bekannt.

Hinter diesen Namen verstecken sich äußerst junge Protosterne, die sich gerade innerhalb einer verdichteten Gas- und Staubwolke bilden. Die Lichtemission in HH-Objekten wird durch extremste Umgebungsbedingungen der verdichteten Gase, sowie durch die  gebündelten Plasma-Jets eines Protosterns hervorgerufen. Die Zusammensetzung besteht zu 3/4 aus Wasserstoff und zu 1/4 aus Helium welche auf 10000 Teilchen/cm³ verdichtet sind. Dies ist, im Vergleich zu H-II Regionen, die 10-fach höhere Dichte. Sichtbar sind die hellen „Kappen“ am Ende der Plasma-Jets, an welchen ionisiertes Gas schockwellenartig auf interstellare Materie trifft und zum Leuchten beginnt.


Frühere Beobachtungen:


Als äußerst erstaunlich erweist sich die erste dokumentierte Beobachtung von Eduard Schönfeld im Jahr 1858. Im Zuge der „Bonner Durchmusterung“ entdeckte der deutsche Astronom mit seinem 3,1“ Fraunhofer Kometen Sucher eine große und schwache Aufhellung am Rande des Sternbildes Perseus. Dies zeigt wieder einmal, was mit viel Aufmerksamkeit und Muße auch mit vermeintlich kleiner Öffnung möglich ist – beeindruckend!

Aber wo war Herschel?  Hierzu ein Auszug einer Beobachtung von D.A. Allen mit dem 60“ (1524mm!) Reflektor am Mount Wilson Observatorium:  „...not an easy object, unless the sky is very dark...”  (...kein einfaches Objekt, es sei denn der Himmel ist sehr dunkel...).

Dieser Kommentar gibt die wunderbare Wahrheit wieder, dass jedes Teleskop seinen eigenen Himmel hat und ist vielleicht auch eine Erklärung, warum W. Herschel dieses Objekt übersehen hat.




Autor: Alexander Leng