Messier 92 - M 92 - Kugelsternhaufen

 

NGC 6341

Sternbild Hercules (Herkules)

Beste Sichtbarkeit April - August

Position (Epoche 2000.0) RA 17h 17m 07s

  DE +43° 08´ 12´´

Helligkeit: 6,3mag

Ausdehnung: 14´

Entfernung 8,2 kpc (ca. 27.000 Lj.)


Konzentrationsklasse Typ IV

Spektraltyp F2





Suche und visuelles Erscheinungsbild:

Im 7x50 Fernglas bzw. im 8x50 Sucher erscheint der Kugelsternhaufen als nebliger Stern und ist recht hell. Mit 76mm Öffnung wird ein rundlicher Nebel sichtbar. Dieser weist einen hellen, kleinen Kernbereich auf. Zu den Rändern wird der Sternhaufen schnell lichtschwächer und diffus. Ein 4" Teleskop zeigt im wesentlichen ein identisches Bild. Der Kugelsternhaufen macht einen kompakten Eindruck. Einzelsterne sollen mit 100mm schon zu erkennen sein. Allerdings unter sehr guten Voraussetzungen. Mir ist dies nicht gelungen. In einem 12,5 Zoll Newton ist M92 schließlich "sehr hell, ziemlich groß, starke Sterndichtezunahme zur Mitte, am Rand völlig aufgelöst mit pechschwarzem Hintergrund zwischen den Sternen(230x). Im Zentrum ist wegen der Sterndichte kein Hintergrund mehr zu sehen, der Auflösungseindruck nimmt ab. Die Konzentration scheint in zwei Phasen zur Mitte hin zu wachsen. Durchmesser der zweiten Phase ist vier Mal so groß wie das innerste Zentrum. M92 zeigt viel weniger Sterne als M13" (Thomas Jäger vom 28.06.1995).


Einzelheiten zum Objekt:


M92 verschwindet meist im Glanz seines auffälligen und bekannteren Nachbarn M13. Dabei ist M92 fast genauso hell und kaum weiter entfernt als sein Gegenstück. Aktuelle Schätzungen halten eine Entfernung von etwas mehr als 26000 Lichtjahren fest. Der Atlas der Messier-Objekte nennt einen exakten Abstand von 27140 Lichtjahren. In den 1960er Jahren untersuchte der Astronom A. Sandage mehr als 200 Sterne des Haufens genauer und ermittelte aus der Analyse das Alter des Sternhaufens. Er kam zu dem Schluss, dass M92 zu den ältesten Objekten des Universums zählt, da seine Mitgliedsterne überwiegend metallarme Exemplare der ersten Generation sind. Somit wurde das Alter auf etwa 14Mrd. Jahr geschätzt. Neuere Messungen durch den Satelliten Hipparcos berücksichtigen jedoch die allgemeinen Veränderungen der Entfernungsverhältnisse im Universum. Diese äußern sich in einer für Kugelsternhaufen typischen, rund 10% größeren Entfernung. Anhand dieser Schätzung und des Entwicklungsstadiums der Sterne, dürfte M92 etwa 15% jünger sein als ursprünglich angenommen. Mit etwa 12Mrd. Jahren zählt dieses Exemplar dennoch zu den ältesten noch existierenden Objekten in unserem Universum.

Auch in der Ausdehnung und Gesamtmasse erreicht M92 beachtliche Werte. Legt man den scheinbaren Durchmesser von 14' zugrunde, so ergibt sich eine wahre Größe von 109 Lichtjahren, was etwas mehr als 50% der Größe von M13 entspricht. In diesem Raum tummeln sich maximal 330000 Sonnenmassen. Ältere Angaben schätzten die Masse auf die von 200000 Sonnen. Während seiner Reise durch die Milchstraße nährt sich M92 bis auf 5000 Lichtjahre an das galaktische Zentrum, während er sich an seinem Zentrumsfernsten Punkt bei etwa 35000 Lichtjahren bewegt. Für einen vollständigen Umlauf um den Kern unserer Galaxie benötigt der Kugelsternhaufen etwa 200 Mio. Jahre. Die Erforschung der Sterne ergab bislang 17 Veränderliche. Davon entfallen 14 auf den für Kugelsternhaufen üblichen Typ der RR Lyrae Sterne. Also regelmäßig Veränderliche Sterne mit kurzer Periode.

Ein Exemplar stellt mehr oder weniger einen Exoten in Kugelsternhaufen dar. Mit einem W Ursae Majoris Stern (Typ W UMa) enthält M92 einen der sehr seltenen Bedeckungsveränderlichen. Dieses Doppelsternsystem ist in so fern eine Besonderheit, da solche gravitativen Bindungen in einem dicht mit Sternen bevölkerten Objekt wie M92 eigentlich nicht sehr lange verbleiben. Jedoch zeigen gegenwärtige Forschungen, dass das Sternsystem nicht direkt zu dem Kugelsternhaufen gehört.


Frühere Beobachtungen:

Johann Elert Bode entdeckte den Sternhaufen am 27.12.1777 in Berlin. Er notierte: "Ein anderer, südwestwärts am Fuß des Herkules stehender Nebelfleck. Er ist blasser als der vorige". Messier fand das Objekt unabhängig von Bodes Entdeckung am 18.03.1781 und katalogisierte Ihn mit weiteren 8 Objekten (Virgo-Galaxien M84-M91). Er sah wie so oft einen Nebel ohne Sterne mit seinen kleinen Teleskopen. Wilhelm Herschel blieb es vorbehalten mit seinem 20Fuß Teleskop die wahre Natur des "Nebels" zu erkennen. 1783 notierte er "einen brillanten Haufen von 6'-7' Durchmesser."



Autor: Claus-Dieter Müller