M 82 – Galaxie (Bode Galaxie)

 

NGC: 3034


Sternbild: Ursa Major (Großer Bär)

Beste Sichtbarkeit: Ganzjährig

Position (Epoche 2000.0): RA: 15h 18m 36s


  DE: +02° 05'

Helligkeit: 8m,4


Ausdehnung: 10,5´x5,1´

Entfernung: 12 Millionen Lj.

Morphologischer Typ
I0;Sbrst HII










Suche und visuelles Erscheinungsbild:

Die beiden Bode Galaxien M81 und M82 sind nicht ganz einfach zu finden. Sie bilden zusammen mit den deutlich sichtbaren Sternen Dubhe und h UMa im Großen Bären ein Dreieck, siehe Aufsuchhilfe oben rechts. Die Galaxie Messier M82 ist bereits im 7x50 Feldstecher als alleinstehender ovaler Nebelfleck erkennbar. Allerdings erscheint sie etwas lichtschwächer als M81. Mit 110mm Öffnung fällt bereits bei niedriger Vergrößerung die langgezogene Form auf. M82 zeigt eine recht einheitliche Helligkeit ohne erkennbare Helligkeitszunahme im Zentrum.


Einzelheiten zum Objekt:

M82 ist eine der aktivsten, bekannten Galaxien, welche allen Anwendungsbereichen der Astronomie genügend Potenzial zur Erforschung bereitstellt. Bis vor noch nicht allzu langer Zeit stuften die Astronomen das Objekt als irreguläre Galaxie ein. Eine genaue Untersuchung vor allem im infraroten Licht brachte dann allerdings die Existenz von zwei Spiralarmen hervor. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen entdeckten Astronomen dann noch einen Balken, welcher ebenfalls im nichtsichtbaren Licht erkennbar ist. Die Identifizierung der Eigenschaften von M82 wird allerdings durch einen schwachen Halo aus Staub und Dunkelwolken erschwert, welcher die Sterneninsel umgibt. Des Weiteren weist die Galaxie eine Neigung von 77° gegen unsere Blickrichtung auf. Somit schauen wir fast auf den Rand der Spiralarme. Infolge der neuen Erkenntnisse wäre der Typ SBc "späte Balkengalaxie" die treffendere Einstufung. Momentan jedoch gilt für M82 noch die Zuordnung als "irreguläre Starburst Galaxie"  (I0;Sbrst HII). Die auffällige, chaotische Form erhielt die Galaxie durch eine verhängnisvolle Annährung an M81 vor etwa 220-500Mio. Jahren. Die starke Schwerkraft der zehn Mal so massereichen Galaxie M81 veränderte die morphologische Struktur so eingehend, dass intensive Sternentstehungsprozesse (Starbursts) in zwei Wellen ausgelöst wurden. Nach der Annährung bildeten sich viele sehr massereiche Sterne welche in Supernovae ihre Materie, unter dem Zusammenwirken der immensen Schwerkraft von M81, in einem Materiejet senkrecht zur Ebene von M82 herausschleuderten. In der Folge fiel das Wasserstoffgas zurück auf die Galaxie und wurde durch die starke Strahlung der jungen, heißen Sterne ionisiert. Wir sehen diesen Vorgang als rotleuchtende Wasserstoffwolken, die senkrecht aus der Galaxie herausragen. Die Gaswolken treten auf beiden Seiten der Galaxie nahezu 34000 Lichtjahre heraus. Dahingegen beträgt die Länge der uns zugewandten Seite von M82 ungefähr 40000 Lichtjahre, wenn man eine geschätzte Entfernung von 12 Mio. Lichtjahren zu Grunde legt. Die Zeitpunkte der beiden Entstehungswellen von neuen Sternen lassen sich an dem Alter der Sternhaufen, welche in M82 sehr zahlreich sind, abschätzen. Demzufolge müssen besonders viele dieser Objekte infolge der Gezeitenkräfte vor etwa 140 Mio. Jahren und rund 10 Mio. Jahren entstanden sein. Zwei bekannte Objekte unterscheiden sich jedoch wesentlich von ihren Nachbarn. Sie sind mit mehr als acht Milliarden Jahren deutlich älter und gehören vermutlich zur Klasse der Kugelsternhaufen. Die beiden Objekte tragen die Bezeichnungen #139 und #152. #139 wurde noch nicht zweifelsfrei identifiziert, es könnte sich hierbei auch um eine ferne Hintergrundgalaxie handeln. Die jungen Sternhaufen sind Teil von großen Sternentstehungsgebieten, ähnlich unserem Orionnebel. Allerdings sind diese Gegenstücke in einigen Fällen mehrere Male heller als unsere gesamte Heimatgalaxie! Diese enorme Leuchtkraft hat ihren Ursprung in den sehr heißen, jungen Sternen, welche durchweg ein mehrfaches der Masse unserer Sonne aufweisen. Die markantesten Assoziationen tragen die Bezeichnungen M82A, M82B und M82F. In ihnen entwickelten sich in der jüngeren Vergangenheit Sternhaufen von teilweise mehr als einer Million Sonnenmassen. Da jedoch die Masse der einzelnen Sterne so hoch ist, werden die Sternhaufen nicht, wie die Exemplare in unserer Milchstraße über lange Zeit bestehen bleiben. Sie werden sich nach und nach in den nächsten Jahrmillionen auflösen.

Zu Beginn des Jahres 2008 wurde nach langer Zeit der Ruhe in der Galaxie wieder eine Supernova entdeckt. Sie konnte jedoch nur mit Radioteleskopen wahrgenommen werden, da sie sich im Zentrum von M82 versteckt. Würde die Sternexplosion nicht so stark durch Gas- und Staubschichten verdeckt, wäre sie ohne Weiteres in normalen Amateurteleskopen sichtbar gewesen.


Frühere Beobachtungen:

Die Galaxie wurde gemeinsam mit M81 am 31.12.1774 vom Berliner Astronomen Johann Elert Bode entdeckt. In der Folge beschrieb er seine Entdeckung als "Zwei nahe ostwärts bei d am Ohr des großen Bären befindliche kleine Nebelflecke. Der nördliche ist länglich und blass; der südliche rund und etwas kenntlicher". Unabhängig von Bode fanden die Astronomen Gottfried Köhler und Pierre Mechain die "Nebelflecken" kurze Zeit später auf. Charles Messier beobachtete M82 am 09.Februar 1781 und notierte einen "Nebel ohne Stern; sein Licht ist schwach und länglich.". Wilhelm Herschel beschrieb M82 als "schönen Lichtstahl, am hellsten in der Mitte über die gesamte Länge, über 8´lang und 2-3´breit.". Der wohlhabende Astronom Lord Rosse stellte nach Beobachtungen mit seinem Riesenfernrohr Vergleiche mit M31 hinsichtlich der sichtbaren Struktur an. In der Folge blieb die Galaxie ein vielbeachtetes Objekt, welches auch für nachfolgende Generationen von Astronomen viele Entdeckungen bereithielt.



Autor: Stefan Westphal