Messier M8 – Offener Sternhaufen und Lagunennebel (Lagoon Nebula)

 

NGC 6523/6530


Sternbild Sagittarius (Schütze)


Sichtbarkeit Juni - August


Position (Epoche 2000.0) RA: 18h 03m 42s

  DE: -24°23´


Helligkeit: 5m,0


Ausdehnung: 45´ x 30´

Entfernung 5000 Lichtjahre

Konzentrationsklasse
II,2,m,n









Suche und visuelles Erscheinungsbild:

Messier 8 ist bei dunklem Himmel mit bloßem Auge leicht als länglich-ovaler Streifen in ost-west Ausrichtung zu erkennen. Er befindet sich am westlichen Rand der Milchstraße zwischen M24 und der Sagittarius-Wolke, die auch mit bloßem Auge zu sehen sind.
Für die Suche wird die Verbindungslinie zwischen φ Sag und λ Sag um rund 5° nach Westen verlängert. Dann wird mit bloßem Auge ein Lichtstreifen mit hell leuchtendem Innenbereich, welcher von diffusen schwächeren Leuchten umgeben  ist, sichtbar. M8 besteht aus insgesamt zwei Objekten. Zum Ersten aus dem hellen, offenen Sternhaufen NGC 6530 und zum Anderen aus dem Nebel NGC 6523, welcher den Sternhaufen umgibt.

Im 7x50 Feldstecher werden bei dunklem Himmel drei voneinander getrennte Sternknoten sichtbar, die von hellem Nebel umschlossen sind. Die längliche Form, die sich dem Auge bietet, wird mit diesem Instrument bestätigt. Mit einem 4“ Teleskop ist leicht der helle Sternhaufen sichtbar. Er besteht aus einer engen Zusammenballung von Sternen unterschiedlicher Helligkeit, von denen die schwächeren erst bei höheren Vergrößerungen gut erkennbar sind. Desweiteren fällt schon bei niedriger Vergrößerung ein heller Nebelstreifen auf, der sich im Südwesten von M8 befindet. Dieser „Stundenglasnebel“ ist sogar bei aufgehelltem Himmel sichtbar. Bei dunklem Himmel werden nördlich und südöstlich des hellen Nebels weitere schwache Nebelfilamente sichtbar, die die Gesamtgröße des Objekts anwachsen lassen. Der südöstliche Nebel besitzt einen länglichen, hellen Nebelbalken, der von diffusem Nebel umgeben ist. Der nordwestliche Nebel ist der lichtschwächste und nur bei indirektem Sehen gut sichtbar.


Einzelheiten zum Objekt:

M8 befindet sich nahe des galaktischen Zentrums in einem sternreichen Gebiet, welches außerdem viele Staubwolken und Dunkelnebel enthält. Es handelt sich bei diesem Objekt um ein aktives Sternentstehungsgebiet. Aus dem Nebel (NGC 6523) entwickelte sich in den vergangenen zwei Millionen Jahren der Sternhaufen (NGC 6530). Auch gegenwärtig entstehen in dieser Region neue Sterne aus der vorhandenen Molekülwolke. Der Wasserstoff in dieser Gaswolke wird durch die intensive UV-Strahlung der umgebenen jungen Sterne ionisiert und somit zum Leuchten angeregt. Die hellste Region des Nebelkomplexes ist, wegen seiner Form, auch unter der Bezeichnung "Stundenglas Nebel" bekannt. Diese durch interstellare Stürme hervorgerufene Form, kommt durch die hohen Temperaturunterschiede der durch die jungen, heißen Sterne aufgeheizten Hülle und dem Kühlen Inneren der Staubwolken zustande.

Messier 8 Lagunennebel M8Zu dem intensiven Leuchten dieses Nebels trägt unter anderem der sehr junge, heiße Stern 9 Sagittari, Spektralklasse O5, 6. Größe, sowie der Stern Herschel 36, Spektralklasse O7, mit 9m,5 bei.  Im Lagunennebel konnten darüber hinaus einige kleinere Gas- und Staubwolken identifiziert werden, sogenannte Globulen. Diese Globulen werden als unregelmäßige, kleine schwarze Flecken auf hochauflösenden Fotos sichtbar. Innerhalb dieser Dunkelwolken, die bis zu 10000 AE Ausdehnung erreichen, verdichtet sich gegenwertig die Materie zu neuen Sternen. Die wahre Ausdehnung des gesamten Nebelkomplexes erreicht etwa 160x60x100 Lichtjahre bei einer vermuteten Entfernung von rund 5000 Lichtjahren.

Lagunennebel M8 in SagittariusDie Entfernungsangaben sind wegen der Absorption der vielen vorgelagerten Staubwolken relativ unsicher und reichen von 4300-5200 Lichtjahren, wobei aktuelle Messungen den Wert im unteren Bereich ansiedeln.  Der Sternhaufen NGC 6530 enthält viele sehr junge, heiße Sterne des Spektraltyps O5 bis A0. Bei vielen ist die Verdichtung der Materie noch nicht vollständig abgeschlossen, sodass vermutlich der Prozess der Kernfusion gerade erst eingesetzt hat. Insgesamt enthält der Sternhaufen 100 - 150 Sterne, von denen eine heiße Sonne des Typs O5 mit 6m,9 die hellste ist.


Frühere Beobachtungen:

M8 wurde womöglich schon von Hodierna um das Jahr 1654 entdeckt. Eine unabhängige Sichtung wird John Flamsteed im Jahr 1680 zugeschrieben. Er bemerkte jedoch lediglich den Sternhaufen NGC 6530. Le Gentil beobachtete als Erster im Jahr 1749 den Nebel  NGC 6523. Charles Messier sah den Sternhaufen mit dem Nebel am 23.05.1764.

Der deutsche Astronom Johann Elert Bode beobachtete M8 ebenfalls und schrieb dazu: „Eine zahlreiche Sammlung sehr kleiner Sterne, welche einen schwachen Nebel um sich hat. Dieses Sternhäuflein ist nach Messier länglich und erstreckt sich von Nordost nach Südwest auf 30‘ Länge. Man sieht dessen Sterne nur durch vollkommene Fernrohre, bei einer schwachen Vergrößerung erscheint er wie ein Nebelfleck.“ Köhler beschrieb M8 als „ein doppeltes Sternhäuflein, um das durch ein dreifüßiges Dollondsches Fernrohr bei heiterer Luft eine Art von blassem Schimmer bemerkt wird.“



Autor: Stefan Westphal