M 22 - Kugelsternhaufen

 

NGC 6656

Sternbild Sagittarius (Schütze)

Beste Sichtbarkeit Juni - August

Position (Epoche 2000.0) RA: 18h 36m 24s

  DE: -23°54´

Helligkeit: 5m,2

Ausdehnung: 23´

Entfernung 10400 Lj.


Konzentrationsklasse Typ VII

Spektraltyp F5





Suche und visuelles Erscheinungsbild:

Der Kugelsternhaufen ist in unseren Breiten nicht mit bloßem Auge sichtbar. Für die Suche genügt jedoch ein kleines Fernglas. Von λ Sgr genügt ein kurzer Schwenk von rund 2° in nordöstliche Richtung (siehe Aufsuchkarte o.r.). Es ist sofort der typische helle "Nebelstern" sichtbar, den frühere Beobachter mit ihren Teleskopen ebenfalls erkannten. Ungeübte Beobachter können jedoch auch aus λ Sgr und φ Sgr einen rechten Winkel bilden, an dessen Scheitelpunkt sich M22 befindet. In einem 7x50 Feldstecher erscheint der Sternhaufen als gleichmäßig heller Nebelfleck. Ein 4" Teleskop zeigt einen großen, gleichmäßig hellen Nebel, dessen Zentrum von einer Vielzahl von Sternen unterschiedlicher Helligkeit umgeben ist.

Südwestlich des Kernbereichs versammeln sich die meisten Haufensterne. Man gewinnt den Eindruck, als sei M22 nicht sehr stark verdichtet, so leicht lässt er sich in Einzelsterne auflösen. Bereits mit einem 3" Teleskop kann man sich an der Suche nach Einzelsternen versuchen. Zumindest erscheint der Randbereich deutlich granuliert. Die Menge an Einzelheiten ist wie sooft von der Güte des Himmels abhängig. Durch ein 17" Newton-Teleskop bietet sich ein atemberaubender Anblick auf den Sternhaufen. M22 ist vollständig aufgelöst, selbst im Zentrum zeigen sich Unmengen an Sternen unterschiedlichster Helligkeit. Bei Verwendung eines Weitwinkelokulars und 200-facher Vergrößerung scheint der Kugelsternhaufen das Gesichtsfeld förmlich zu sprengen.

Visuelle Beobachtungen von Thomas Jäger:
8.09.1991: Österreich, Kärnten, fst.=5.6m (pol)
30cm Newton, 230x, sehr hell, sehr groß, rund, viel gleichmäßiger konzentriert als M13. M22 atemberaubend, hunderte von Sternen stehen vor einem unaufgelöstem Glimmen.

1.08.2000: Österreich, Sölden Tiefenbachferrner, Beobachtungsbeginn: 20h20m MEZ, Mitbeobachter: Klaus Veit. Bloßes Auge 1x, der Himmel ist in der Dämmerung noch zu ca 1/8 bewölkt, aber nur harmlose Reste von Quellwolken, es ziehen ab und zu ganz kleine Wolken durch den Sgr, sie erscheinen allerdings alle schwarz, so daß sie die Milchstraße und Sterne verdecken, die Liste der mit dem bloßem Auge sichtbaren Objekte wird immer länger: M13 ist einfach, M8, M6, M11, M33 sind sicher, M22 wegen benachbartem Stern unsicher. 44cm Newton, 126x, best ever, vollständig aufgelöst, es entsteht fast ein 3D Effekt durch die hellen Mitgliedssterne und dem dahinter liegendem Core, Anblick einfach überwältigend.


Einzelheiten zum Objekt:


Bei M22 handelt es sich um einen der hellsten und uns nächstgelegenen Kugelsternhaufen. Würde er in unseren Breiten nicht so tief stehen und über dem sein Licht nicht um fast zwei Größenklassen durch interstellaren Staub abgeschwächt werden, würde er den Herkuleshaufen M13 an Größe und Helligkeit weit übertreffen. M22 ist ein Sternhaufen von beachtlichen Dimensionen. Seine Gesamtmasse wird auf 500 Millionen Sonnenmassen geschätzt, die Gesamtzahl seiner Mitglieder auf gut 500.000 Sterne.

Durch die vorgelagerten Staubwolken unserer Milchstraße gestaltet sich eine Entfernungsschätzung schwierig. Heute wird ein Wert von 10400 Lichtjahren angenommen, was bei einem scheinbaren Durchmesser von 32', etwa 65-100 Lichtjahren Ausdehnung in der Wirklichkeit entspricht. Einige Haufensterne sind sogar auf einen Raum von 200 Lichtjahren um das Zentrum verteilt. M22 ist verhältnismäßig arm an Veränderlichen. Bislang wurden 32 Haufenveränderliche bzw. RR-Lyrae Sterne und einige Riesensterne vom Mira-Typ entdeckt. Die hellsten Einzelsterne erreichen die 11. Größe, weshalb M22 auch zu den am leichtesten auflösbaren Kugelsternhaufen zählt. Leider entfernt sich der Kugelsternhaufen von uns recht rasant mit 149km/sek. Durch diesen Umstand wird aus diesem imposanten Objekt in einigen Jahrmillionen ein eher unscheinbarer Kugelsternhaufen werden.

Zudem wurde in M22 der zweite planetarische Nebel nach Pease 1, in M15, entdeckt. Er trägt die Bezeichnung GJJC 1 oder PK 9-7.1 und umschließt eine Sternleiche von14m,3 Helligkeit.


Frühere Beobachtungen:

Der Kugelsternhaufen wurde am 26.08.1665 vom deutschen Astronomen Abraham Ihle entdeckt. Damit war M22 die erste Entdeckung in dieser Objektklasse. Möglicherweise wurde der Kugelsternhaufen auch schon früher von Hevelius gesehen. Edmund Halley beobachtete den Sternhaufen im Jahr 1716 und beschrieb einen "kleinen aber sehr hellen Nebel, der einen Strahl aussendet". Mit "Strahl" war vermutlich ein Vergleich mit dem Erscheinungsbild eines zu der Zeit sichtbaren Kometen gemeint. Auch der Schweizer Beobachter De Cheseaux bemerkte den Nebel und schrieb:  "Er hat 5' Durchmesser, ist rund, von rötlicher Farbe, anstatt dem gelblichen Leuchten des Andromeda-Nebels und dem transparenten des Orion-Nebels".

Charles Messier fand M22 in der Nacht vom 5.-6.06.1764 auf. Auch ihm gelang es nicht, den Kugelsternhaufen in Einzelsterne aufzulösen. Obwohl er ein "gutes Gregorianisches Teleskop bei 104-facher Vergrößerung" für die Untersuchung einsetzte. Zuvor beobachtete Le Gentil am 29.08.1747 den "Nebel" mit einem 18-füßigen Refraktor. Er kam einer möglichen Beobachtung von Einzelsternen am Nächsten als er schrieb: "Es erschien mir immer eine sehr irreguläre Figur, Lichtstrahlen verteilen sich über den gesamten Durchmesser."

Die Entdeckung von Einzelsternen blieb Wilhelm Herschel vorbehalten. Er sah am 04.07.1783 mit einem 20-Fuß Newton einen vollständig aufgelösten Sternhaufen von kleinen und dicht gedrängten Sternen. Infolge seiner Beobachtungen schätzte er die Sternanzahl auf "einige hundert."



Autor: Stefan Westphal